Oktober 13

Wie Nasreeddin einen Wirt mit dem Klang des Geldes bezahlte

 

 

Nasreddin, so heisst es, ging eines Tages in Bagdad über den Basar. Plötzlich hörte er Lärm und Geschrei aus einer Garküche. Wie ihr wisst, ist Nasreddin sehr neugierig. Er ging sogleich hinein und sah, wie der dicke, rotmäulige Wirt einen Bettler am Kragen schüttelte, weil der Bettler nicht zahlen wollte.
«Was ist denn das hier für ein Lärm?», fragte unser Nasreddin.
«Dieser Landstreicher», brüllte der Wirt, «dieser verfluchte Strolch kam in meine Küche – mögen seine Eingeweide verdorren! Er holte einen Brotfladen aus der Tasche und hielt ihn so lange über den Bratspiess, bis er nach Hammelfleisch roch und noch einmal so gut schmeckt. Dann ass er den Fladen auf und nun will er nicht zahlen.
Mögen ihm die Zähne im Munde verfaulen!»
«Stimmt das?», fragte Nasreddin den Bettler streng, der vor lauter Angst kein Wort hervorbrachte und nur mit dem
Kopf nickte.
«Das ist nicht gut», sagte Nasreddin. «Es ist unrecht, fremdes Gut ohne Bezahlung zu benutzen.»
«Hörst du, was dieser ehrwürdige Mann dir sagt, du zerlumpter Strolch?», fragte der Wirt erfreut.
«Hast du Geld?», fragte Nasreddin den Bettler.
Dieser holte schweigend ein paar Kupfermünzen aus der Tasche. Gleich streckte der Wirt seine fette Pfote aus.
«Warte noch, o Meister des Wohlgeschmacks», hielt ihn Nasreddin zurück.
«Horch, mal!» Er schüttelte die hohle Faust vor dem Ohr des Wirtes und liess die Münzen eine Weile klimpern.
Dann gab er dem Bettler das Geld zurück und sagte:
«Ziehe hin in Frieden, armer Mann.»
«Was?», rief der Wirt aus. «Ich habe das Geld doch gar nicht bekommen!»
«Er hat dich bezahlt und ihr seid quitt!», antwortete Nasreddin.
«Er roch den Duft deines Bratens und du hörtest den Klang seines Geldes!»

   
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